Neue Wundauflage stillt Blutungen schneller

Neubrandenburger Technologiefirma bringt Notfall-Verband auf den Markt.

SCHWERIN Hoffnung für Schwerverletzte, Unfallopfer und OP-Patienten: Eine von der Neubrandenburger Hightech-Firma Speed Care Mineral entwickelte neuartige Wundauflage soll mit frischem Privatkapital, aber auch Beteiligungskapital des Landes für den Markt weiterentwickelt werden. Mit der Finanzierung könne die neuartige Wundauflage zur Marktreife gebracht, das umfangreiche Zulassungsverfahren abgeschlossen und neue Maschinen gekauft werden, kündigte Firmenchef Ulf Pommerening gestern an. Nach dem bis Ende 2021 dauernden Zulassungsverfahren solle die Wundauflage ab 2022 in den Verkauf gehen.

Die patentierte Neuentwicklung aus MV verspricht Hilfe: Mit dem Notfall-Wundverband für die Unfallmedizin, aber auch jeden Sanikasten können mit Hilfe von speziellen Mineralien Blutungen großer Wunden in kurzer Zeit gestoppt werden – nach eigenen Angaben binnen zwei bis drei Minuten. Dazu werde ein spezieller Verbundvlies mit natürlichen Mineralien beschichtet – mit einem sogenannten Halloysit-Mineral aus der Kaolin-Familie, ein Tonmineral, das auch als Basis für die Keramik-Herstellung verwendet werde und die natürliche Gerinnungsreaktion des Körpers auslöst, erklärte Pommerening. Wenige Minuten seien entscheidend, um ein Leben zu retten. Den Angaben zufolge sind 40 Prozent der Todesfälle nach schweren Verletzungen auf Blutungen in der Zeit vor dem Krankenhaus zurückzuführen. Jährlich würden eine halbe Million Menschen an Verkehrsunfällen, Kampfwunden und anderen schweren Verletzungen sterben. Erste Anwender hätten schon Interesse an dem Produkt angemeldet, so Pommerening. Auch Gefäßchirurgen seien interessiert. Das Medizinprodukt beruht auf Untersuchungen des weltweit anerkannten Neubrandenburger Geologen Joachim Schomburg, der die Eigenschaften hochreiner Mineralien für die Wundheilung nutzbar machte.

In einer neuen Finanzierungsrunde ist jetzt der Hamburger Investor Matthias Kurtz eingestiegen. Auch die Schweriner Beteiligungsgesellschaft Genius Venture Capital hat ihr Kapital aufgestockt, teilte Genius-Chef Uwe Bräuer mit. Mit dem mit zehn Millionen Euro vom Wirtschaftsministerium ausgestatteten Venture Capital Fond könnten Technologiefirmen bei der Anschubfinanzierung unterstützt als auch später begleitet werden. Mit dem Fonds hat sich Genius bisher an acht Firmen beteiligt, bei einer weiteren Firma stehe eine Anteilsübernahme bevor. Indes baut das Land sein Engagement aus und stockt den Beteiligungsfonds um fünf Millionen Euro aus der EFRE-Regionalförderung weiter auf.

Die Finanzierungshilfe des Landes zieht auch private Geldgeber an: Speed Care Mineral habe ein Produkt entwickelt, das die Schwächen herkömmlicher Produkte beseitige, begründete Investor Matthias Kurtz seinen Einstieg: „Es ist unglaublich, dass ohne den Einsatz von verschreibungspflichtigen teuren Medikamenten die Blutung derart schnell gestoppt werden kann.“ Patienten können indes auf weitere Entwicklungen
hoffen: Speed Care Mineral wolle eine Palette von Blutstillungsprodukten aufbauen, sagte Pommerening. Derzeit werde u.a. an resorbierbaren Materialien gearbeitet.

Quelle: Schweriner Volkszeitung, 5. Februar 2020, Autor: Torsten Roth