Corona-Test: Rostocker merzen Fehler aus

Biotechnologiefirma SensID stellt Referenzmaterial für die Qualitätskontrolle in Diagnostikfirmen bereit.

ROSTOCK Mehr Präzision: Eine neue Entwicklung des Rostocker Biotechnologieunternehmens SensID soll die Genauigkeit von Corana-Tests in Deutschland und anderen Ländern deutlich erhöhen. DasStart-up will dazu Laboren so genanntes Referenzmaterial zur Qualitätskontrolle zur Verfügung stellen. Damit könnten Diagnostikfirmen sicher sein, dass ihre Untersuchungsergebnisse tatsächlich richtig seien und keine Fehlinformationen an den behandelnden Arzt weitergegeben würden, erklärte Firmenchef Björn Nowack. Das Referenzmaterial basiere auf gezüchteten Viren aus einem Hochsicherheitslabor in Frankfurt am Main. Das Rohmaterial würde in Rostock aufbereitet und für den Einsatz in Laboren weltweit vorbereitet. Die aggressive Ausbreitung des Corona-Virus COVID-19 hat zu weltweiten Bemühungen geführt, schnelle und genaue Tests zu erleichtern. Daran wollen sich jetzt auch die Rostocker beteiligen. Inzwischen hätten erste Labore in Deutschland, England und Schottland Interesse an dem Referenzmaterial aus MV angemeldet.

Erkrankte Patienten müssten sich auf die erhaltene Diagnose hundertprozentig verlassen können, da sonst möglicherweise falsche Maßnahmen ergriffen würden. Fielen Tests beispielsweise negativ aus, obwohl der betroffene Patient infiziert sei, würde er fälschlicherweise nicht in Quarantäne geschickt und könnte andere infizieren. Noch würden viele Tests aber eine Fehlerquote von etwa 30 Prozent aufweisen, erklärte Nowack. Das Referenzmaterial biete den Laboren eine sichere, stabile und zuverlässige Methode für den Test auf das neuartige Coronavirus. Um die schnelle Ausbreitung der Krankheit einzudämmen, ist Virologen zufolge die Entwicklung von schnellen und genauen Tests von großer Bedeutung. In China hatten Berichten zufolge verwendete Nukleinsäuretests nur zu 30 bis 50 Prozent positive Fälle des Coronavirus identifiziert.

Das 2015 in Rostock gegründete Technologieunternehmen hatte sich bislang mit Risikokapital des Landes auf die Entwicklung von Referenzmaterial für die Tumordiagnostik konzentriert. Vor zwei Jahren hatte sich die Beteiligungsgesellschaft Genius Venture Capital mit Geld aus einem vom Wirtschaftsministerium bereitgestellten 15-Millionen-Fonds an SensID beteiligt. Deren Technologie für die Krebsdiagnostik ließe sich auch für Corona-Tests anwenden und sei einsatzbereit. Nowack rechnet damit, dass in zwei Monaten mit der Produktion begonnen werden könne. Für die erforderlichen Investitionen vor allem für den Ankauf des Rohmaterials setzt Nowack auf öffentlicheHilfe.

SensID geht noch einen Schritt weiter: Das Unternehmen biete den derzeit stark geforderten Krankenhäusern und anderen Instituten an, die Kapazitäten des eigenen Labors zu nutzen. Die SensID Labore mit den erforderlichen Sicherheitsstandards seien für Corona-Tests geeignet und könnten das vor großen Belastungen stehende medizinische Personal entlasten, meinte Nowack. Der Firmenchef schlug zudem vor, mit Immunitätstests Menschen in MV zu identifizieren, die eine Infektion bereits durchgemacht hätten und damit aller Wahrscheinlichkeit nach immun gegen weitere Infektionen desselben Virus seien. Diese Menschen könnten sich frei bewegen und seien nicht gefährdet, die Krankheit erneut zu durchleiden. Das könnte gerade Ärzten, Krankenschwestern und Einsatzkräften von Polizei und Feuerwehr helfen, die Versorgung und Sicherheit im Land aufrechtzuerhalten. Inzwischen haben sich mehrere Firmen und Einrichtungen zu einer entsprechenden Immunitätsoffensive MV zusammengeschlossen.

Quelle: Schweriner Volkszeitung, 2. April 2020, Autor: Torsten Roth